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Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich in Eisenach ein sehr
vielfältiges musikalisches Leben. Neben dem Landestheater Eisenach
bildeten sich feste Musizierkreise wie z. B. die AG Alte Musik
unter der Leitung des Privatmusikerzieherehepaares Hooge, der
Arbeitskreis Hausmusik unter der Leitung von Frau Dost; aus den
Reihen der Landeskapelle Eisenach bildete sich ein Streichquartett
unter der Leitung von Hans Lotz und ein Bläserensemble, das von
dem Klarinettisten Erich Prause geführt wurde. Die evangelische
Kirche in Eisenach, das Bachhaus und der Privatmusikerzieher und
Pianist Frank Faber organisierten in wechselnden Besetzungen
ebenfalls Konzerte. Aufführungsorte in der Stadt waren damals
neben dem Rokokosaal des Stadtschlosses u. a. auch der
Schmelzerhof, das AWE-Klubhaus in der Heinrich-Heine-Straße, der
Saal in der Medizinischen Fachschule, das Friedrich-Wolf-Klubhaus
des Kulturbundes in der J.-S.-Bach-Straße und natürlich das
Theater. Zwischen all diesen Gruppierungen herrschte ein starker
Konkurrenzkampf, so daß der Musikausschuß des Stadtparlaments eine
Versammlung aller Verantwortlichen organisierte. Daran nahmen
seitens der Musiker teil GMD Hans Gahlenbeck vom Landestheater
Eisenach, LKMD Prof. Erhard Mauersberger, Frank Faber als
Vertreter der Privatmusikerzieher und Hans-Joachim Graßni,
Direktor der Eisenacher Musikschule. Diese vier bildeten das erste
Leitungsgremium der damit neu geschaffenen „Kammermusik der
Wartburgstadt“, den Vorsitz übernahm H.-J. Graßni. Als Sekretär
fungierte zunächst Erich Prause, dann übernahm Gerhard Ernst,
Verwaltungsleiter der Musikschule, diese Aufgabe. Das Signet, der
Violinschlüssel, den wir heute noch verwenden, wurde geschaffen
von der Grafikerin der Thüringer Museums Frau Holzapfel.
Die Kammermusik der Wartburgstadt war eine Einrichtung des Rates
der Wartburgstadt, Abteilung Kultur, und hatte eine eigene
Haushaltsstelle im Finanzplan der Stadt. Jährlich standen 10.000,-
Mark der DDR zur Verfügung, von denen alle Ausgaben bestritten
werden mußten, das Einnahmesoll betrug 3000,- Mark.
Eintrittskarten gab es im Konzertbüro Rudolf Bley und später in
der eisenach-INFORMATION. Man konnte auch Abonnements abschließen,
in den 80ger Jahren gingen ca. 80% der Eintrittskarten an
Abonnementsinhaber.
Das erste Konzert fand am 30. März 1959 im Gedenken an den 150.
Todestag Joseph Haydns im AWE-Klubhaus statt. Die Festansprache
hielt Prof. Felix aus Weimar. Von nun an wurden jährlich 12 bis 15
Konzerte veranstaltet, anfangs an wechselnden Orten, später
überwiegend im Rokokosaal. Um das sogenannte „Sommerloch“ zu
füllen, mußten in den Monaten Juli und August jeweils 3 Konzerte
stattfinden. Dies war eine Auflage der Stadt Eisenach, den
zahlreichen Touristen in der Stadt geschuldet.
Besondere Höhepunkte in der Geschichte der Kammermusikkonzerte bis
1990 waren die Auftritte des Novak-Streichquartetts aus Prag, von
Prof. Gustav Schmahl, von Prof. E. Mauersberger und Solisten des
Thomanerchores aus Leipzig und von Prof. Hans Pischner aus Berlin.
1990 fanden noch vier Konzerte statt, dann stellte die Leitung der
Reihe die Organisation dieser Konzerte wegen Geldmangels ein.
Um auch weiterhin musikalische Veranstaltungen durchzuführen,
riefen Musiker der Landeskapelle Eisenach Anfang 1990 in eigener
Regie eine Reihe „Kammermusik von A bis Z“ ins Leben, die im Foyer
des Landestheaters unentgeltlich durchgeführt wurde. Die Erlöse
aus diesen Veranstaltungen in Höhe von insgesamt ca. 800,- DM
kamen dem Theater zugute.
Bei der 11. Veranstaltung der „Kammermusik von A bis Z“ am
24.2.1991 fand im Anschluß an das sehr gut besuchte Konzert die
Gründungsveranstaltung des Vereins „Kammermusik der Wartburgstadt“
statt. 42 Musikfreunde trugen sich als Gründungsmitglieder in die
Liste ein. Nach Verlesung, Diskussion und Abstimmung über die
Satzung wurde die Wahl des Vorstandes durchgeführt. Den ersten
Vorstand bildeten: Roxana Mereutza (1. Vorsitzende), Dr. Claus
Oefner (2. Vorsitzender), Dagmar Linz (3. Vorsitzende), Detlef
Rutenberg (Schatzmeister) und Beate Döring (Sekretärin). Als
Kassenprüfer fungierten Dietrich Müller und Jörg Friese. Zum
Ehrenvorsitzenden wurde der verdienstvolle Eisenacher Pianist
Frank Faber gewählt. Die gerichtliche Eintragung des Vereins
erfolgte am 17.7.1991 unter der Nummer VR 127 beim damaligen
Kreis- und heutigen Amtsgericht Eisenach. Den heutigen Vorstand
bilden Roxana Mereutza (1. Vorsitzende), Dr. Claus Oefner (2.
Vorsitzender), Bernhard Kaul (3. Vorsitzender), Detlef Rutenberg
(Schatzmeister) und Gottfried Meyer (Schriftführer). Kassenprüfer
sind Dietrich Müller und Andreas Gruner. Gegenwärtig hat unser
Verein 109 Mitglieder.
Dank der Hilfe von Sponsoren, die uns über Jahre hinweg die
Treue hielten und weiter halten, und durch Zuschüsse der Stadt und
des Landkreises haben wir die Möglichkeit, kontinuierlich Konzerte
zu organisieren. Jährlich 10 bis 12 Veranstaltungen an wechselnden
Orten in der Stadt und darüber hinaus auch in der Umgebung; so zum
Beispiel bis zur Schließung wegen umfangreicher Sanierung im
Rokokosaal, im Saal des ehemaligen Hotels „Rautenkranz“, in der
Musikschule, in der Sparkasse (Rennbahn und Markt), in
Wilhelmsthal im Telemann-Saal des Schlosses, im eingemeindeten
Stadtteil Hörschel, in Bad Salzungen, Creuzburg und Mühlhausen. Im
letzten Jahr half unser Verein beim Start einer neuen
Kammermusikreihe in Treffurt. Auch auf der Brandenburg bei
Lauchröden wurde eine neue, sehr reizvolle Spielstätte
erschlossen. Feste Größen im Veranstaltungskalender sind das
Faschingskonzert am Rosenmontag und das weihnachtliche Konzert
geworden, ebenso die Konzerte in Wilhelmsthal. Besonders müssen
die Geigenkastenkonzerte genannt werden. Sie sind ein Podium für
Schüler und Laien, für Studenten und Berufsmusiker, die alle ohne
Honorar auftreten. Der Eintritt zu diesen Konzerten ist frei, und
der Zuhörer kann seiner Begeisterung am Ausgang in klingender
Münze Ausdruck verleihen. Für seine Arbeit erhielt der
Kammermusikverein 1993 den Thüringen-Preis der
Paul-Dierichs-Stiftung.
Seit Beginn des Jahres 2001 haben sich die Vereine „Eisenacher
Telemann-Gesellschaft e. V.“ und „Kammermusik der Wartburgstadt e.
V.“ zusammengeschlossen. Da das Vereinsziel der Eisenacher
Telemann-Gesellschaft weitgehend mit dem des Kammermusikvereins
übereinstimmt, wird so der Arbeits- und Verwaltungsaufwand für die
künftigen Vorhaben deutlich reduziert.
Höhepunkte in unseren Veranstaltungen seit 1990 waren
zweifellos die Auftritte des Buchberger-Quartetts und von Kolja
Blacher. Sie sollen stellvertretend genannt sein für viele
wunderbare Konzertnachmittage. Auch in Zukunft soll die
Kammermusik in Eisenach eine feste Heimstatt haben. Dabei können
Sie, liebes Publikum, uns sehr wirkungsvoll unterstützen, indem
Sie unsere Konzerte zahlreich besuchen oder Mitglied des
Kammermusikvereins werden.
Detlef Rutenberg |